Einfluß altiranischer klinischer Chemie und Pharmakologie
auf die griechische, römische und arabisch-islamische (!) Medizin

Chemie und Pharmakologie waren seit jeher nur in wenigen Hochkulturländern dieser Welt wie Indien, China, Ägypten und Iran ernstzunehmende und auch ernsthaft betriebene Wissenschaften.
Altiranische Chemie ist in Europa fast unbekannt und aufgrund dieser Unkenntnis kursieren abenteuerliche Gerüchte, die an Merkwürdigkeit nichts fehlen lassen.

Man glaubt, die Chemie des Altertums erschöpfe sich darin, aus anderen Metallen Gold herzustellen! Über die Pharmakologie des Altertums ist eher einiges bekannt, weil die Pflanzenextrakte der damaligen Welt annähernd denjenigen der heutigen entsprechen.
Hier soll der Versuch unternommen werden, bei der Durchleuchtung der Wissenschaftsgeschichte vielleicht unbekannte Zusammenhänge aus der Tiefe der Vergessenheit hervorzuholen und diese zur Diskussion zu stellen. Die Geschichte der Menschheit ist nicht sehr lang und die Geo-Archäologen sind heute der Meinung, dass in der Zeit, in der in Asien die Regenzeit zu Ende ging, Europa größtenteils noch ganz und gar mit Eis bedeckt war. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist daher damit zu rechnen, dass die Entstehung der Menschen wohl am ehesten in Asien zu suchen ist, d. h. man geht davon aus, dass sich die ersten Menschengemeinschaften in Asien gebildet haben müssten. Aus den gefundenen Spuren dieser Menschengemeinschaften in der iranischen Ebene geht hervor, dass dort vor mehr als vierzigtausend Jahren Menschen gelebt haben. Diese Menschen haben vor etwa 9000 Jahren angefangen Landwirtschaft zu betreiben und etwa 5000 Jahre später ihre Erzeugnisse in andere Länder exportiert.
Die sogenannte „iranische Ebene“ ist eine Region, welche sich mit zusammenhängenden kulturellen Erscheinungen im Norden bis zum Ural, im Osten bis zum Indus, im Süden bis zum Indischen Ozean und im Westen bis zum Euphrat erstreckt.
Die oben erwähnten, begünstigenden klimatischen Veränderungen schufen die ersten und wichtigsten Voraussetzungen, um Lebensgemeinschaften zu bilden. Mit der Bildung der menschlichen Gemeinschaften beginnt auch die Mythologie der alten Völker, die uns heute als die einzig mögliche Auskunftsquelle, als Geschichte des Altertums zur Verfügung steht. Die iranische Mythologie beinhaltet im Vergleich zu anderen Mythologien viel konkretes und praktisch verständliches Material. Sie führt uns ohne große Schwierigkeiten zu den Anfängen der Chemie und Pharmakologie des Altertums hin. Hier ist sehr bald die Rede von Metallen, die aus der Tiefe der Erde herausgeholt werden.
Wie andere Mythologien auch ist die iranische eine Geschichte der Bindung der Menschen an die Himmelskörper, die in jeder Hochkultur richtungsbestimmend waren. Die Metalle sind die Spuren und Zeichen der Himmelskörper auf der Erde, denn ihr Vorkommen auf der Erde ist auf die Einwirkung anderer Sterne auf die Erde zurückzuführen. Die alten Iraner dachten, dass Gold mit der Sonne, Silber mit dem Mond usw. zu tun hat. Daher bekamen die Grundstoffe der Chemie einen Hauch philosophischen Beigeschmackes.
Die philosophische Sichtweite der Materie gab Denkern die Möglichkeit, durch die Erkennung und Analyse der Materie die Wirklichkeit des dinglichen Seins entdecken zu können. Man ging davon aus, dass die Materie verschiedene Formen und verschiedene Eigenschaften hat und dass sie Idee der Veränderung der Materie und die Schaffung neuer Strukturen mit neuen Eigenschaften der Beginn der Chemie sei und damit auch der Pharmakologie im alten Iran.
Die Funde aus zentral iranischen Gegenden bei Kaschan (Sialk) lassen die Vermutung zu, dass die ersten Pharmakologen der Welt Frauen waren, die in den Feldern und Wäldern nach essbaren Wurzeln, Blättern und Körnern suchten und die Zeit hatten, die Eigenschaften der Pflanzen zu beobachten und ihre Wirkung am menschlichen Körper probieren wollten. Die ersten Hinweise dieser Art bekommen wir aus der Zeit, in der die arischen Völker, die aus dem Nordosten Irans kamen, im Iran seßhaft wurden und den Ureinwohnern dieses Gebietes begegneten. Zu Anfang der Menschheit und lange später, ja, bis zu unserer Zeit hat die Medizin mit religiösem Denken in Verbindung gestanden. Die damaligen Religionen haben sich besonders auf Naturbeobachtungen konzentriert.
Die Sumerer, die wir als eine der ersten iranischen Völker im Südostiran bezeichnen, haben eindeutig Sternkunde betrieben und sie in ihre medizinischen Wissenschaften integriert. Felsinschriften aus diesen Gegenden (Ausgrabungen in Nippur) beweisen, dass vor etwa 4000 Jahren mit großer Sicherheit ein genau definierter Beruf Arzt im Iran existierte. Die Hypothese wird dadurch bestätigt, dass wir beschriftete Tontafeln besitzen, die ärztliche Rezepte und Namen von medizinischen Werkzeugen zum Inhalt haben.
Die soziale und humane Gesetzgebung der Sumerer verhalf dazu, dem Beruf des Arztes ein besonderes Ansehen zu vermitteln. Dieses iranische Volk der Sumerer hat z. B. Jahrtausende vor der Erfindung der Seife die Asche verschiedener Hölzer mit alkalischen und fetthaltigen Stoffen vermischt und eine besondere Art Seife hergestellt.
Die gefundenen Inschriften der Sumerer dokumentieren, dass vor etwa 5000 Jahren zahlreiche Rezepte existierten, die in Keilschrift Auskunft über mehr als hundert Arzneipflanzen und chemische Stoffe erteilten, die in der Medizin ihre Verwendung fanden. Diese Erkenntnisse aus dem Jahre 1953 verdanken wir einem Hochschullehrer, und zwar Professor Samuel Noah (Universität Pennsylvania).
Diese traditionelle Medizin mit der dazugehörigen Pharmakologie entwickelte sich weiter, bis sie in der Achemenidenzeit ihre Hochentwicklung erreichte.
Der Makedonier Alexander hat bei seiner barbarischen und folgenreichen Invasion im Iran nicht nur viele wissenschaftliche Schriften vernichtet sondern ließ auch alles Wichtige nach Griechenland bringen, ins Griechische übersetzen und dies später als „griechische Wissenschaft“ deklarieren.
Die wissenschaftlichen Transfers vom Iran nach Griechenland haben eine lange Tradition und deshalb ist die Zeit zwischen 600 – 300 v. Chr., die das kulturelle Aufleben in Griechenland beinhaltet, nicht als Wunder zu bezeichnen.
Als im Iran bereits eine wissenschaftlich-medizinische Schule existierte, bestimmte in Griechenland noch der Aberglaube die ganze Medizin samt Pharmakologie. Labile, charakterlich zweifelhafte, unsympathische Götter bekämpften sich in Griechenland in niederträchtiger Art und Weise. Jeden Tag ließ man in einem Dorf oder auf einem Inselchen einen Gott fallen. Dafür kam sofort ein anderer, der es auf das Vermögen und auf die Frauen der anderen Götter abgesehen hatte und die primitiven, unphilosophischen Kämpfe untereinander gingen wieder von vorne los. Die griechischen Patienten mussten diese Götter um Heil und Heilung bitten. Während dieses „heillose“ Götterchaos in Griechenland weiterging, lebte man im Iran mit saratustrischem Monotheismus in Ruhe und Harmonie, und die Wissenschaft war eine funktionierende, gesellschaftliche Tatsache.
Viele im Iran wachsende und kultivierte Pflanzen, die in der Medizin ihre Verwendung fanden, mussten nach Griechenland gebracht werden. Sinna, in Europa als Avicenna bekannt, schreibt selbst, dass das von ihm hergestellte Elixier gegen Asthma bronchiale nach Griechenland exportiert wurde (Oxymel).
Eines der ältesten Elixiere der Pharmazeutik ist „Mitridat“, welches in der Zeit der Parther in Iran hergestellt wurde. Das Wort Mitri, Mitra, ist ein iranisches Wort, das später zur „Mehr“ wurde. Es bedeutet „Sonne“. Die Bezeichnung Mitridat stammt aus diesem Wort.
Nicht nur die akademische Entwicklung der medizinischen Chemie, Pharmakologie und Pharmazeutik in der Welt ist ein Ergebnis iranischer Wissenschaftsbemühungen sondern auch die praktische Herstellung der Nahrungsindustrie lässt sich im Bereich der altiranischen Bemühungen nachweisen. Weder Chinesen noch Inder haben z. B. Zucker in der jetzigen Form erfinden können, wobei wir das alleinige Kochen von Rohrzucker nicht als Zuckerherstellung bezeichnen, wie es in China und Indien Usus war.
Die arabischen Invasoren haben während ihres militärischen Vordringens in Iran die Zuckerherstellungsfabriken in Khusestan kennen lernen können. Speziell in Gondi-Schapur (einer iranischen Universitätsstadt) wurde hauptsächlich Zucker in der heutigen Form hergestellt.
Die Römer haben von den Griechen die iranischen Wissenschaftsergebnisse geerbt und sich Jahrhunderte lang zu Nutze gemacht. Auch die Araber taten nichts anderes, obwohl sie anfänglich aufgrund ihrer Herkunftssituation zögerten. Sie zerstörten viele Bibliotheken im Iran, weil sie vor dem Islam keine Bücher, Schule oder Bildung kannten. Nach dem Islam änderte sich diese Tatsache nur geringfügig. Die islamisch-arabischen Führer erzählten ihnen, dass ein Muslim kein Buch brauche, mit Ausnahme des Korans. Diese Tatsache ist zwar vielen Islamforschern bekannt, sie ziehen jedoch falsche Schlüsse daraus. Sie sprechen von einem plötzlichen Wunder. Über Nacht sollen aus Analphabeten der arabischen Halbinsel plötzlich Wissenschaftler und Kulturbeflissene geworden sein. Die märchengläubigen Europäer glaubten dieses Gerücht, dass mit der islamischen Religion eine mutative Erleuchtung alle Araber befallen habe! Und plötzlich sprach und spricht die ganze Welt von islamischer Kultur und Wissenschaft, von „Goldenen Zeiten“. All das war und ist nichts anderes als eine harmonische und kontinuierliche Entwicklung altiranischer Kultur und Wissenschaft. Nur ein unharmonischer Faktor stört diese Geschichte. Die iranischen Wissenschaftler durften ihre wissenschaftlichen Abhandlungen nur in arabischer Sprache schreiben (ein Befehl der Invasoren). Da man diese arabisch abgefassten Abhandlungen in Europa vorfand, ging man arglos davon aus, dass die Autoren arabische Muslime seien. Dabei handelte es sich bei allen diesen Wissenschaftlern um eindeutig identifizierbare Iraner wie Sina (Avicenna); Zakaria Rasi (Rhases), Fakhre Rasi usw. Rhases war der Chemiker und Arzt, der die Grenzen der bis dato existierenden, ausschließlichen Pflanzenpharmakologie sprengte und, erstmalig in der Welt, nichtpflanzliche Stoffe in der Pharmakologie und Pharmazeutik einführte. Er hat als erster Chemiker Alkohol hergestellt. Ein anderer Iraner erfand die Methode zur Messung des spezifischen Gewichtes der anorganischen Stoffe. Er hieß Biruni.
Man kann die Liste der iranischen Wissenschaftler, die die medizinische Chemie, Pharmakologie und damit die medizinische Therapie bereichert haben, fortsetzen. Es würde eine Enzyklopädie daraus werden und diesen Rahmen sprengen. Nachstehend einige iranische Arzneipflanzen und ihre arabisierten Formen, damit man eine Vorstellung von der Kolossalität des Einflusses Irans auf die „arabisch-islamisch“ genannte Kultur bekommt:

arabisch persisch Vorkommen, Wirkung, Verwendung

Alwah Alua zum Inhallieren
Andjbar Angbar wächst an kl. Bächen, gegen Hämorrhoiden
Berandj Berendj-Moschk gegen Husten
Belazur Baladar Hypnoticum
Taschmizadj Tschaschmizak gegen Augenkrankheiten, Tschaschm – Auge
Djarmal Garmaleh als Deodorant u. Wundheilsalbe
Sakhr Sakhir gegen Leberkrankheiten
Sazab Sadab Schwangerschaftsunterbrechung
Schazandj Schadneh gegen Augenkrankheiten u. Hämorrhoiden
Schemscher Schemschaar gegen Ohrenschmerzen
Schadanagh Schadaneh gegen Augenkrankheiten
Kawzawan Gawsaban Relaxanz

Fazit:
Bei der Durchforstung der ältesten iranischen Bücher und auch der griechischen und bei dem Vergleich der medizinischen Therapiemethoden und der Pharmakologie der beiden Länder wird man feststellen müssen, dass die iranische Medizin und Pharmazeutik vor Hippokrates viel entwickelter und fortgeschrittener war als die griechische. Weiter stellt man fest, dass die Griechen sehr wohl die iranische Pharmakologie übernommen haben und daraus ihren wissenschaftlichen Nutzen gezogen haben.